Sonntag, 26. November 2017

Hörbuch "Das Café der kleinen Wunder" von Nicolas Barreau


OSTERWORLD audio
6 CDs 
500 Minuten
Ungekürzte Lesung
Gelesen von Steffen Groth
ISBN 978- 3869523668



Zusammenfassung:


Nelly, eigentlich Eleonore, ist eine 25 jährige Studentin, die neben dem Studium bei ihrem Philosophieprofessor arbeitet, um ihre kleine Wohnung in Paris Monat für Monat abzustottern. Sie ist die Beste in diesem Kurs und erhält hohes Ansehen von ihrem Prof, in den sie verliebt ist, sich jedoch nicht traut, ihm ihre Gefühle zu gestehen. Lieber erträgt sie den Liebeskummer. 
Eines Tages und durch Umstände, die ich hier nicht weiter erläutern möchte, findet Nelly einen alten Karton mit Büchern ihrer Großmutter unter ihrem Bett. Sie hatte vergessen, dass er dort steht. In ihm findet sie ein Buch, dessen Handlung in Venedig ist und in dem von Hand Sachen geschrieben stehen, unter anderem der Spruch "amor vincti omnia", den sie bereits als Gravur im Ring ihrer Großmutter - ihr Erbstück - gesehen hat. Nelly ist ein bodenständiger, vernünftiger Typ, dennoch sieht sie in allem Zeichen, so auch hier. Sie macht etwas, das sie nie im Leben wagen würde und dennoch... 
Kurz entschlossen kauft sie eine sehr teure Handtasche, die sie seit Wochen täglich im Schaufenster anschaut und dazu noch ein Zugticket nach Venedig - Fliegen mag sie gar nicht. Sie möchte den Kritzeleien und der Gravur auf die Spur kommen. Haben sie wirklich eine Verbindung und welche Geschichte steckt dahinter? 
Voller Tatendrang kommt Nelly in Venedig an und verliert direkt am ersten Tag ihre neue Handtasche. Hilfe bekommt sie von dem gutaussehenden Fremdenführer Valentino, der auch gleich mit ihr flirtet. Aber Nelly ist gegen Männer wie ihn immun. Sie wollen eh nur das eine und lassen einen dann fallen wie eine heiße Kartoffel. Da bleibt Nelly lieber bei ihrem hinkenden Prof, der keine Augenweide ist. Eines Abends macht die Pariserin dann eine spannende Entdeckung, sie findet eine neue Spur. Bedauerlicherweise trifft sie hier aber wieder auf Valentino, der ja eigentlich sympathisch ist, sie jedoch zu verfolgen scheint.
Wird Nelly herausfinden, was es mit dem Buch und der Gravur auf sich hat oder wird dies nur nebensächlich, nun, da sie in der Stadt der Liebe ist?


Meine Meinung:


Was für ein schöner Hör - Schmöker. 
Anfangs war ich diesem Hörbuch gegenüber eher skeptisch. Ich habe viel Kitsch erwartet, aber es musste ein neues Hörbuch her und die anderen Sprachen mich noch weniger an. Also habe ich es gekauft.
Ich habe etwas anderes erhalten als zunächst geglaubt. Der Erzähler hat eine angenehme Stimme und weiß die Zeilen zu vermitteln. Er erweckt das Buch zum Leben. Irgendwie, obwohl kein Krimi, ist die Geschichte deswegen auf seine Weise spannend. Außerdem ist der Schreibstil sehr angenehm und das Buch ist garantiert sehr gut zu lesen. Alles ist sehr bildlich dargestellt und ich hatte das Gefühl, selber vor Ort zu sein. Kitsch ist hier übrigens nicht zu finden. Gerade in diesem Genre bin ich sehr kritisch und ich wurde positiv überrascht. Ich muss unbedingt mehr Hörbücher von diesem Autor haben. Es hat mich berührt, so viel kann ich verraten.


Fazit:


Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Familie und natürlich über die Liebe. Dieses Hörbuch hat mich sehr überrascht und ich kann es euch nur ans Herz lesen, sei es als Audio oder als Print. 

5/5 Sternen


Buchvorstellung "Der Pfau" von Isabel Bogdan



Insel Verlag
Taschenbuch/ eBook/ Gebundene Ausgabe
Seiten: 247
ISBN-10: 3458362975
ISBN-13: 978- 3457862975
Preis: 10,00 €/ 9,99 €/ 18,99 €


Klappentext:


"Einer der Pausen war verrückt geworden." 

Ein charmant heruntergekommener Landsitz in den schottischen Highlands, eine Londoner Investmentbankertruppe zum Teambuilding - und ein durchgedrehter Pfau, der bei Blau nur noch rotsieht und dadurch ein Geschehen in Gang setzt, das alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt. 


Die ersten Sätze:


Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was Blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt. 


Mein erster Eindruck:


Gestern war ich beim Buchvorstellungsnachmittag in meinem Lieblingsladen - die Buchhandlung paar Straßen weiter - und habe dieses Buch dort kennengelernt. Ich habe gestern ja etwas mehr Hintergrund zu dieser Geschichte erhalten, auch Sachen, die nicht aus dem Klappentext hervor gehen. Zum einen ist da der britische Humor, den man in diesem Buch finden wird. Hoffentlich ist er so schwarz wie meine Seele. Zum anderen sind da die verschiedene Taten, hier möchte ich nicht zu viel verraten, die eine Lawine ins Rollen bringen, von der niemand der Anwesenden ahnt und die in einem Chaos endet. Darauf freue ich mich schon besonders. Wahrscheinlich schlage ich mir alle paar Seiten die Hände vor mein Gesicht und denke "oh nein!".  Jedenfalls erwarte ich eine kurzweilige und auch spannende Lektüre, die man nicht gerne aus der Hand legen möchte.
Übrigens ist das Cover rau, ich kann es nicht richtig benennen, und die Schrift ist leicht eingestanzt und das Rot und Blau glänzen. Das kann man auf meinem Foto nur bei dem Blau etwas sehen. 


Montag, 20. November 2017

Buchvorstellung "Magische Gezeiten - Der Verrat" von Gabi Rüther


Create Space Independent Publishing Platform
Taschenbuch/ eBook
251 Seiten
ISBN-10: 1549991698
ISBN-13: 978 - 1549991691
Preis: 8,99 €/ 3,99 €


Klappentext:


Von seiner Frau verraten, sinnt   Jesko auf Rache und jagt sie und ihre Brüder quer durch das Land. Nur in Sendor, einem kleinen Divergentendorf, findet er Ruhe und Kraft für seine Mission.
Von ihrem Mann verraten, wird Anna verbannt und muss außerhalb der sicheren Stadtfestung der Menschen um ihr Leben fürchten. Ihre Tante Swingard, oberste Hexe in Sendor, bittet Jesko Anna zu finden und zu ihr zu bringen.

In einer Nacht voller Magie in der nichts mehr real erscheint, sehen sich Jesko und Anna wieder und das Schicksal verbindet sie untrennbar miteinander. Jesko hat Anna das Leben gerettet und stiehlt ihr Herz.

Am nächsten Tag ist Jesko verschwunden. Vertrauen, Liebe und Leidenschaft sind für ihn mit dem Verrat seiner Frau gestorben. Und statt seinen Gefühlen zu folgen, macht er sich wieder auf die Jagd nach den Verrätern.

Doch das Schicksal gibt den beiden noch eine letzte Chance…


Die ersten Sätze:


Jesko stützte sich mit beiden Händen auf das Waschbecken und ließ den Kopf hängen. Das dumpfe Pochen hinter seiner Stirn steigerte sich von Minute zu Minute zu einem rhythmischen Dröhnen. Im Takt seines Herzschlages pulsierte der Schmerz und schien jeden Moment seine Schädeldecke zu sprengen. Er sammelte sich in seinem Hinterkopf und begann langsam die Wirbelsäule hinabzukriechen.


Mein erster Eindruck:


Ich bin so froh, dass die Fortsetzung da ist, hat mir doch der erste Band so gut gefallen! Und dieses Buch scheint dem ersten in nichts nachzustehen.

In Band eins wurde ja bereits erwähnt, dass Jesko abgetaucht sei, aber leider nicht mehr. Umso schöner finde ich es, nun die Geschichte dazu lesen zu können, zu erfahren, wie es um ihn nach dem Verrat seiner Frau steht und wie es mit ihm weitergeht.

Ich denke, diese Fortsetzung wird auch spannend, etwas hart, extremst fesselnd, humorvoll und die erotische Seite kommt garantiert auch nicht zu kurz. 

Dienstag, 14. November 2017

Nebelring - Das Lied vom Oxean



Impress
eBook 
403 Seiten
3,99 €
gelesen als eBook


Zusammenfassung:

Zoe Craine lebt seit sie ein Kind ist im Sanatorium, da ihr Vater durch Malwee vergiftet wurde, eine Substanz, mit der die Silbermagie von den Magiern der Organisation Nebelring bewirkt wird. Nichts wünsche sie sich mehr, als dass er wieder gesund wird.  Ein Heilmittel wurde bisher jedoch nicht gefunden. Obwohl Zoe jeden Tag bei ihrem Vater ist, kennt sie ihn kaum. Er befindet sich in einer Art Wachkoma und nur ganz selten hat Zoe das Gefühl, dass er sie erkennt und sein Umfeld wahrnimmt. Trotzdem sitzt sie täglich für mehrere Stunden an seinem Bett.
Die anderen Kinder und Erwachsenen im Sanatorium sind für Zoe eine Art Familie geworden, nur ganz wenige der Menschen dort mag sie nicht besonders.
Kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag bekommt Zoe Besuch aus Hert, der Stadt unterhalb des Sanatoriums. Thara ist eine gute Freundin von Zoe's Vater und in ihr sieht sie so eine Art Mutter. Diesmal kommt Thara allerdings nicht alleine. Sie hat mehrere Männer mit dabei. Diese Fremden wirken alle sehr mysteriös auf Zoe, bis auf Bess, der in etwa in ihrem Alter ist, und sie alle haben ein Geschenk für Zoe dabei.
An ihrem großen Tag wird Zoe gefeiert. Alle Kinder und Erwachsenen, die laufen können, sind dabei.
Nach und nach offenbaren die Fremden ihre Geschenke und Zoe ist nicht von allen angetan. Was sich allerdings noch viel schlimmer herausstellt, ist ihr Wunsch, als sie die Kerze auspustet. Unbewusst wünscht sie sich einen Aufstand gegen den Nebelring. Was sie damit auslöst, lässt sich nicht mehr aufhalten und bald steht sie zwischen den Stühlen der Rebellion und der mächtigsten und zugleich gefährlichsten Organisation im Land.
Für welche Seite wird Zoe sich entscheiden? Kommt sie aus dieser Situation wieder heraus?


Meine Meinung:

Ich gehöre zu ein paar Menschen, die dieses wundervolle eBook als Rezensionsexemplar erhalten haben. Mein Dank gilt der Autorin und dem Verlag. Dieses Buch hat mir viele schöne Momente geschenkt.

Wo soll ich nun anfangen? Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, meine Meinung zu schreiben. Ich bin einfach so geflashed von diesem Buch!
Dieses Buch entführt einen in eine Welt, in der viele Menschen oberflächlich sind, die gespalten in reich und arm ist und in der Menschen schwer erkranken, ohne Hoffnung auf Heilung, weil es niemanden in den wichtigen Positionen  kümmert. Eine Welt voller Magie, die ich auf diese Art und Weise in noch keinem anderen Buch erlebt habe.
Die Charaktere sind sehr fein ausgearbeitet und man entwickelt sofort ein Gespür für sie. Man mag den einen, den anderen nicht. Vor allem die Vielseitigkeit der einzelnen Personen, die allesamt so authentisch wirken, fasziniert mich. Niemand hat unendlich viel Macht, kann alles. Das mag ich sehr. Hach ja. Und Zoe. Sie mochte ich von der ersten Seite an. Ich mag diese Unschuld und diesen dennoch starken, intelligenten Charakter, der sich Seite für Seite mehr entwickelt.
Der Schreibstil ist einfach nur wunderschön. Hier gibt es keine Längen, keine zu kurz dargestellten Szenen. Alles ist so, wie es sein sollte und für die Geschichte sein muss. Außerdem ist der Schreibstil sehr bildlich. Ich hatte sofort die Umgebung und die einzelnen Personen vor meinem inneren Auge. Ich weiß einfach, wie alles aussieht, so, als würde ich den Film zum Buch im Fernsehen sehen.
Das Cover kenne ich bereits von der Self-Publisher Ausgabe, die in meinem Regal steht. Es hat sich nicht viel verändert und ich finde es einfach wunderschön und auch sehr passend. Es spiegelt den Inhalt des Buches perfekt wider.


Fazit:

Ihr habt es sicherlich bereits gemerkt, ich bin begeistert. Das Buch verspricht von der ersten bis zur letzten Seite großen Lesespaß und ist ganz klar ein Highlight! Ich kann es Euch dringend empfehlen!

5/5 Sternen

Montag, 13. November 2017

Drachenexpedition: Schreibaktion mit Lillith Korn


Erneut heiße ich euch im Rahmen der Drachenmond Lesechallenge zu unserer Drachenexpedition willkommen. Wer noch nicht weiß, worum es geht, kann alles bei Emely auf dem Blog nachlesen. 

Bei der Schreibaktion mit Lillith habe ich ihr ein Setting und 5 Wörter vorgegeben. Als diese dann "verbaut" waren, gab es die nächsten fünf. 



Setting: Du bzw. die Protagonistin wachst morgen auf und musst feststellen, dass du 50 Jahre in der Zukunft bist, alle um dich herum sind sind dementsprechend älter oder bereits gestorben.

Abschnitt 1. Wortvorgabe: Darth Vader, Hollywood-Schaukel, Matcha-Chai-Latte, Straßenbahn, Schwert.

Gähnend strecke ich mich und wische mir den Schlaf aus den Augen. Ich bin von meinem eigenen Schnarchen aufgewacht, was bedeutet, dass ich besonders tief geschlummert habe.
Als ich in das Licht blinzle, das von draußen hereindringt, sehe ich eine Bewegung im Garten. Alarmiert springe ich auf und ducke mich unter dem Fenster. Sind sie da? Kommen sie mich jetzt holen?
Ja, Paranoia ist mein ständiger Begleiter. Aber hey, dass man paranoid ist, heißt noch lange nicht, dass man nicht verfolgt wird!
Vorsichtig drücke ich mich ein Stück hoch und luge nach draußen. Sofort atme ich erleichtert aus. Es ist nur Darth Vader, der auf der Hollywood-Schaukel im Garten hin und her schwingt. Wenn ich mich nicht täusche, summt er dazu leise. Zumindest tönt ein blechernes Geräusch in meine Richtung.
Beruhigt, dass nichts Ungewöhnliches passiert ist, gehe ich ins Bad und mache mich frisch für den Tag. Darthys Schwert lehnt frisch poliert an der Badewanne. Besser gesagt, der Knauf. Ich schnalze mit der Zunge und schüttle den Kopf. Wie oft habe ich ihm gesagt, er soll es nicht im Bad stehen oder liegen lassen? Irgendwann breche ich mir noch mal das Genick! Es reicht schon, dass ich andauernd über seinen Umhang stolpere, weil er es einfach nicht gebacken bekommt, den in und nicht vor die Waschmaschine zu legen. Entnervt seufze ich.
Nach der Morgenwäsche gehe ich in die Küche und schlürfe meinen Matcha-Chai-Latte. Dann schlendere ich in den Garten und werfe Darthy sein Schwert zu. Wir sind schon ewig befreundet und wohnen seit gut drei Jahren in einer WG.  „Hier, du Heini.“
Er fängt die Waffe zielsicher mit der Linken und nickt. „Jo, danke, Ben. Hast lange geschlafen.“
Voller Elan strecke ich mich. „Wie spät ist es denn? Ich hab gar nicht auf die Uhr geschaut.“
„Sieben. Am Morgen.“
Irritiert kratze ich mich am Kopf. „Und das nennst du lange?“
„Nun“, ertönt es blechern. „Ich bezog mich dabei auf die Jahre, nicht die Uhrzeit.“
„Was?“, krächze ich. Dass er Scherze macht, bin ich von ihm nicht gewohnt.
„Du hast 50 Jahre geschlafen“, erklärt er. „Aber keine Sorge, ich hab mich um den Papierkram gekümmert. Sonst hättest du das Haus längst verloren.“
Er schaukelt seelenruhig weiter. Ich hasse seinen Pragmatismus! Schockiert taumle ich zurück ins Haus und öffne das Internet. Der PC teilt mir mit, dass meine Software veraltet sei, doch ich ignoriere ihn und surfe auf die erste News-Webseite, die mir einfällt.
Fuck.
Darthy hat recht. Es ist 2067. Das bedeutet … alle, die ich kenne, sind wahrscheinlich steinalt oder tot!
Ich spüre regelrecht, wie mir das Blut aus dem Gesicht weicht. Nein. Das muss doch ein schlechter Scherz sein!
Entsetzt schnappe ich mir meine Jacke und renne aus dem Haus, um mit der Straßenbahn in die Stadt zu fahren und mich davon zu überzeugen, dass Darthy das erste Mal in seinem Leben Witze gemacht und meinen PC irgendwie manipuliert hat.

Abschnitt 2: Monster, Schleim, Skelett, Nasenbluten, Messerstecher, aufschlitzen

Verdammt. Die Straßenbahn ist weg. Stattdessen schweben überall Typen mit Skateboards ohne Rädern an mir vorbei. Wie nannte man solche Teile in den Science-Fiction-Filmen noch mal? Keine Ahnung.
Sachen zischen durch die Luft und aus allen Richtungen blinkt oder piept es. Wow, die Zukunft ist echt stressig.  Kleine Roboter, die aussehen wie mechanische Schmetterlinge mit Bildschirm in der Mitte, schweben vor mein Gesicht. Jetzt projiziert das Ding auch noch irgendwas in die Luft und ich kann gar nichts mehr erkennen.
Meine Paranoia scheint so bedient zu sein, dass sie sich einfach verzogen halt. Manchmal ist die Psyche wirklich seltsam. Aber nicht so seltsam wie das hier.
Scheiße, vielleicht sollte ich einfach wieder nach Hause gehen und Darthy weiter ausquetschen.
Ich drehe um, will zurückgehen – da stürmt ein Skelett mit Nasenbluten auf mich zu. Es zieht eine Spur aus grünem Schleim hinter sich her.
„Aaaaaaaaaaaah!“, brülle ich und taumle rückwärts, spüre, wie eines dieser fliegenden Dinger meinen Kopf streift und mir ein paar Haare ausreißt. „Ein Monster! Ein Messerstecher! Er will mich aufschlitzen! Polizei! Feuerwehr! Darthy!“ Meine Stimme ist schrill, mindestens fünf Oktaven höher als sonst, und bricht bei dem letzten Wort.
Das Skelett beginnt zu gackern und krümmt sich vor lauter Gekichere.
Irritiert bleibe ich stehen und starre es an. Ein Messer hat es nicht. Und … „Sag mal, ist das eine Verkleidung?“, keuche ich und deute auf den Reißverschluss an der Seite.
Plötzlich springt Darth in den Weg und fuchtelt mit seinem Leuchtschwert rum. Es blinkt – er hat wieder mal vergessen, die Batterien aufzuladen. Offenbar ist es aber bedrohlich genug. Das Skelett torkelt drei Schritte rückwärts und rennt dann in einem beachtlichen Tempo davon.

Abschnitt 3: Freunde, Freude, Spieleabend, Hilfe, Lachen

Beeindruckt wende ich mich an Darth Vader. „Was … Wie … Woher …“
Er winkt ab und ich meine, ein Lächeln in seinem Gesicht zu sehen. Gut, da kann ich mich auch täuschen, aber ich bin mir fast sicher, dass das Metall sich leicht verbiegt. Ja, doch. Er lächelt, und zwar mit ein bisschen Stolz. „Kein Ding. Wozu hat man Freunde? Ich habe schon geahnt, dass du Hilfe brauchen könntest.“ Er drückt einen Knopf. Das Lichtschwert fährt sich ein und er verstaut es.
Ich hingegen bin immer noch baff. Er ist mir also tatsächlich gefolgt um mich vor den Gefahren des Jahres 2067 zu schützen. Wie lieb von ihm. „Danke“, bringe ich hervor.
Er nickt lediglich und richtet sich noch ein Stückchen auf. „Was hältst du davon, wenn wir zurück nach Hause gehen und einen Spieleabend machen? Ein bisschen Spaß oder wenigstens Freude würde dir guttun. Und dann erzähle ich dir ganz in Ruhe, wie es 2067 so läuft.“
Während er das sagt, hält er mir den Arm hin, damit ich mich unterhaken kann. Sein Angebot nehme ich dankbar an und wir schlendern zurück nach Hause. Als er mir erklärt, dass ich fünfzig Jahre lang geschnarcht habe, schmeiße ich mich fast weg vor Lachen. 

Abschnitt 4: Herzschmerz, Eifersucht, Liebe, Schmetterlinge, Gefühl

Nachdenklich schließe ich die Haustür hinter uns. Darthy wirft bereits den Wasserkocher für einen Tee an – er hat die Einrichtung weitestgehend so behalten, wie ich sie kannte, was echt süß von ihm ist –, ehe er galant den Stuhl zurückschiebt, damit ich mich setzen kann. Jetzt fällt mir auf, dass ich ein blaues Hawaiihemd mit Fischen darauf trage und dazu eine karierte Hose.
„Hä?“, mache ich und deute an mir hinab.
Darthy serviert den Tee und setzt sich zu mir. „Na ja. Weißt du, wenn man 50 Jahre schläft, muss man sich auch mal waschen, umziehen und so weiter.“
Ach du Scheiße. Daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Der einzig tröstende Gedanke ist, dass ich nicht selbst an dieser Geschmacksverirrung leide.
Mein Herz klopft schneller und ich japse: „Heißt das … du hast mich …“
Mit einer abwinkenden Geste unterbricht er mich. „Mach dir keinen Kopf, Ben. Das Windelabo habe ich mit einem Knopfdruck abbestellt, als ich gesehen habe, dass du aufwachst. Und auch sonst kommen keine weiteren Kosten auf uns zu. Hab ich alles sehr gern gemacht.“ Er zwinkert. „Ach ja, und mal ganz unter uns: knackiger Arsch, das muss ich sagen.“
O mein Gott. Baggert er mich etwa an? Hitze steigt mir in die Wangen und färbt sie mit nahezu zweihundersiebenundachtzigprozentiger Sicherheit rot.
Ist das Hoffnung in seinen Augen?
Aber wenn ich mal ganz ehrlich zurückdenke … War da nicht immer ein kleiner Schwarm Schmetterlinge in meinem Bauch, wenn ich ihn beim Duschen durchs Schlüsselloch beobachtet habe? Was ich natürlich nie getan habe! Ich meine … egal. Und war da nicht immer Eifersucht, wenn die nette Nachbarin Clara ihm schöne Augen gemacht hat? Ein bisschen Herzschmerz, wenn Darthy es geschafft hat, ohne mich die Wäsche zu waschen oder das Schwert zu polieren?
Jedenfalls macht sich ein seltsames Gefühl in mir breit und ich sehe ihn plötzlich mit ganz anderen Augen. „Darthy …“, flüstere ich ekstatisch, während wir uns immer näherkommen.
„Au!“, schreie ich, als ich mit der Lippe gegen das Blech seines Gesichts donnere.
Gut, das wars mit dem romantischen Moment, befürchte ich. Er wohl auch, denn er hüstelt angespannt und kratzt sich am Kopf, was ein schabendes Echo im Metall verursacht.

Abschnitt 5: Traum, Wut, Trauer, Mut, Zukunft

Unseren Moment habe ich gründlich zunichtegemacht. Nun sitzen wir im Garten und starren auf die Feuertonne, jeder ein Gläschen Prosecco in der Hand.
„Manchmal wünschte ich, es wäre alles nur ein Traum“, seufze ich theatralisch.
Er lehnt sich zurück und kippt sich das ganze Glas auf ex rein. „Ich nicht.“ Dann gießt er sich nach und hält auch mir die Flasche hin, aber ich lehne dankend ab.
Schulterzuckend leert er drei Gläser hintereinander und rülpst metallisch. Ein wenig hört es sich an, als hätte er in eine Mundharmonika gehaucht.
„Wieso nicht?“
„Gansch eieenfach“, lallt er. „Vor fünffsisch Jaahrn warsch gansschön wüdnd auf disch. Die Wut iss aba weggegang.“
„Was? Wieso wütend?“
„Weil dumischso für selbsssvaschtändlisch gesehn  hassd.“ Hicksend öffnet er eine neue Pulle. Nur etwa die Hälfte von dem, was er ausgießt, landet im Glas. „Aba dann warssu so hilflos und endlisch konndisch dir meine Liebe seign. Auch wennndu … hicks … nichssavon gemerkd hassd. Wenigsns hassu misch nisch mit Absischd ignoriat.“
Oha. Hat er sich jetzt zugesoffen, um mir das zu sagen? Ich hatte ja keine Ahnung! Dabei bin ich mir sicher, dass es zwischen uns schon immer geknistert hat, nur habe ich es selbst verdrängt. Warum auch immer.
Ruckartig entreiße ich ihm die Flasche und das Glas. Trauer zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. „Trink mal’n Schluck Wasser zwischendurch“, ordne ich an und er gehorcht. Grinsend füge ich hinzu: „Und dann mal ein bisschen Mut, wenn ich bitten darf. Denn ich habe nie gesagt, dass wir keine gemeinsame Zukunft in der Zukunft haben.“


Was für eine Geschichte! Sie ist klasse! Danke, Lillith, dass du hier mitgemacht hast! 


Und nun noch die Frage:
Welches Abo wurde abbestellt? 

Mit der Drachenexpedition geht es morgen bei Carla weiter. Viel Spaß!